Karies / Parodontitis
Karies
Karies, auch Zahnfäulnis genannt, ist eine bakterielle Infektionskrankheit der Zahnhartgewebe Zahnschmelz und Dentin (Zahnbein).
Eine Übertragung von Streptokokken in die Mundhöhle, die zur Bildung von Karies immer erforderlich ist, erfolgt meist schon im Babyalter, wenn z.B. ein Elternteil beim Füttern den Löffel oder den Sauger der Trinkflasche ableckt.
Risikostellen hinsichtlich der Kariesentstehung sind: Zahnfissuren, Zwischenzahnflächen, Zahnhälse, sowie Füllungs- und Kronenränder. Überall dort, wo die Reinigung erschwert wird oder, im Falle frei liegender Zahnhälse, die Zähne relativ ungeschützt sind.
Ursachen
Säureproduktion in der Plaque
Eine unzureichende Zahnpflege führt zu Zahnbelag (Plaque). Die sich darin vermehrenden Bakterien produzieren zahnschädliche Säuren, die Mineralien aus dem Zahnschmelz herauslösen.
Je zuckerhaltiger die Speisen bzw. Getränke (Zucker, Schokolade, Coca-Cola usw.) und je länger diese Säuren auf dem Zahnschmelz einwirken, desto eher entsteht eine Karies.
Regelmäßiges Putzen nach den Mahlzeiten schützt die Zähne.
Eine über den Tag verteilte Dosis zuckerhaltiger Nahrung (z.B. Erfrischungsgetränke) erhöht das Kariesrisiko. Dem Speichel fehlt die Zeit, Säuren zu neutralisieren und die angegriffene Zahnsubstanz zu remineralisieren.
Die jeweilige genetische Veranlagung des Einzelnen bestimmt die Anfälligkeit für Karies, wobei eine gute Mundhygiene immer unverzichtbar bleibt.
Für die Entstehung von Karies müssen 4 Grundvoraussetzungen zusammenkommen:
- Bakterien
- Zahnbeläge
- Nahrung
- Einwirkzeit
Karies kann nicht entstehen, wenn eine der Grundvoraussetzungen fehlt bzw. einer oder mehrere dieser Faktoren abgeschwächt auftreten.
Folgen
Unbehandelte Karies zerstört nach und nach die Zahnhartsubstanz, also Zahnschmelz und Dentin. Wenn der Prozess des Dentin erreicht, beginnt der Zahn zu schmerzen.
Besonders beim Verzehr süßer oder kalter Nahrungsmittel reagieren die Nervenfasern der Pulpa mit Schmerzen. Diese können sich über den Zahn hinaus auf die entsprechenden Kieferseite ausbreiten.
Wir das entstandene Loch jetzt nicht zahnmedizinisch versorgt, dringen die Bakterien weiter vor, der Zahn vereitert, das Gesicht schwillt an oder es kommt sogar zu krankhaften Veränderung an inneren Organen, z.B. am Herzen, weil die Bakterien über die Blutbahn dorthin gelangt sind.
Folgen der Zahnkaries sind:
- Entzündungen der Pulpa (Zahnmark). Die Pulpa des Zahnes füllt die Zahnhöhle mit Bindegewebe, Blutgefäßen, Nerven und Lymphgefäßen aus. Eine Entzündung des Zahnmarks nehmen wir als Schmerz wahr.
- apikale Parodontitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparats an der Wurzelspitze.
- Abszesse, durch entzündliche Gewebseinschmelzung entstandene Eiteransammlung
- Osteomyelitis, infektiöse Entzündung des Knochenmarks
Symptome
Weiße Flecken
Entkalkungen, die sich durch Einlagerungen von Farbpigmenten aus der Nahrung auch dunkel färben können, weisen auf eine Karies im Anfangsstadium, der Initialkaries. Begrenzt auf den Zahnschmelz, kann diese Karies durch geeignete Fluoridierungsmaßnahmen und eine Ernährungsberatung erfolgreich behandelt werden.
Mit der Zunge ertasten Sie scharfe Kanten an Zähnen.
Ihre Zähne reagieren empfindlich auf süße/saure und heiße/kalte Getränke.
Zahnschmerzen treten auch ohne Kältereize auf.
Schmerzen weisen manchmal auf die weiter fortgeschrittenen Dentinkaries.
Ist die Initialkaries nicht remineralisiert worden, dringt die Karies vom Zahnschmelz weiter zum Dentin (Zahnbein) vor. Das weichere Dentin lässt eine rasche Ausbreitung der Karies zu, die oft nun erst bemerkt wird, wenn nach einigen Wochen der Zahnschmelz beim Kauen über dem Kariesbefall wegbricht.
Von einer caries profunda (tiefen Zahnkaries) spricht man, wenn sie schon in über 2/3 der Dentinschicht in Richtung Zahnmark vorgedrungen ist.
Starke Schmerzen bereitet die Caries penetrans (durchdringende Zahnfäule), die schließlich durch das Dentin hindurch die Pulpa (das Zahnmark) erreicht.
Behandlung
Die Initialkaries lässt sich durch intensive Fluordierung mit speziellen Fluordierpräparaten remineralisieren und so zum Verschwinden bringen.
Bei späteren Stadien der Karies muss die betroffene Zahnhartsubstanz ausgeräumt werden und der Zahn mit einem Füllmaterial wie Komposit oder durch ein Inlay versorgt werden. Eventuell muss der Zahnarzt eine Wurzelkanalbehandlung oder eine Wurzelspitzenresektion durchführen.
Ist die Zerstörung des Zahnes stark fortgeschritten, kommt nur eine Überkronung oder ein vollständiges Entfernen in Frage. Ein fehlender Zahn sollte dabei möglichst umgehend durch eine Brücke oder Implantat ersetzt werden, um Veränderungen des Kiefers zu verhindern.
Vorsorge
Eine regelmäßige und gründliche Zahnpflege und der regelmäßige Kontrollbesuch beim verhindern die Entstehung und Ausbreitung der Karies.
Möglichkeiten der Kariesvorbeugung:
- Plaque- Index: Umfang und Ausdehnung des Zahnbelags werden durch Anfärben sichtbar gemacht, woraus der Zahnarzt Anleitungen für die häusliche Mundhygiene entwickeln kann.
- Speicheltests geben Auskunft über das individuelle Kariesrisiko, indem sie die Anzahl der Karies verursachenden Bakterien ermitteln, sowie die Fähigkeit des Speichels zur Neutralisation zahnschädigender Säuren. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt (2x pro Jahr) Gründliche Entfernung der Zahnbeläge (10-20 Min nach der Mahlzeit)
- Zahnbürste - Zahnseide (Zahnzwischenräume)
- Zahnzwischenraumbürste (bei größeren Abständen zwischen den Zähnen)
- Professionelle Zahnreinigung : Zahnbeläge und Zahnstein werden gründlich entfernt, die Zähne anschließend poliert, was eine erneute Anhaftung von Belägen erschwert.
- Keimzahlsenkung: Spezielle Mundspüllösungen können schädigende Keime reduzieren und für das biologische Gleichgewicht der Mundflora sorgen.
- Beschränkung der Zuckeraufnahme: z.B. Einschränkung des Konsums zuckerhaltiger Getränke.
- Fluoridschutz: Fluorid fördert die Remineralisation, härtet die oberste Schmelzschicht und hemmt das Bakterienwachstum. Fluoride werden zur Kariesvorbeugung in Zahnpasten, Mundspüllösungen eingesetzt oder vom Zahnarzt lokal als Schutzschicht aufgetragen.
- Fissurenversiegelung: Die Kauflächen der Zähne- Furchen und Grübchen - werden mit einem Schutzlack versiegelt.
Parodontitis
Die Paradontitis ist eine Erkrankung des Zahnbettes, die durch eine Entzündung im Bereich der Zahnwurzel verursacht wird. Der mit ihr einhergehende Zahnfleischverlust und Knochenabbau führen neben der Karies als häufigste Ursache zum Zahnverlust. " Parodont" bedeutet um den Zahn herum und "itis" ist die medizinische Bezeichnung für Entzündung. Bezeichnet wird also eine Entzündung ( Zahnfleischentzündung/ Gingvitis) um den Zahn herum, die das Zahnfleisch , den Zahnfaserapparat um den umliegenden Knochen betrifft.
Parodontitis ist eine durch Bakterien bedingte Infektionskrankheit
Hauptursache sind mikrobielle Beläge
Bakterien sammeln sich in Form von Belägen (Plaque/Biofilm) besonders in den Zahnzwischenräumen und am Zahnfleischsaum. Von hier aus dringen sie langsam in Richtung Zahnwurzel. Erst einmal in den Zahnfleischtaschen angekommen, sind sie für die Zahnbürste nicht mehr erreichbar und bilden auch auf der Zahnwurzel Plaque und schließlich Zahnstein. Dieser bildet einen guten Boden für die weitere bakterielle Besiedelung. Die Zahnfleischtaschen vertiefen sich und die Bakterien rufen eine permanente Entzündung hervor, die den gesamten Zahnhalteapparat - das Verankerungssystem der Zähne, bestehend aus Zahnfleisch, Kieferknochen und Zahnwurzeloberfläche - schädigen.
Begünstigende Faktoren
- Für Raucher ist das Erkrankungsrisiko um bis zu 20-Fach erhöht.
- Stress, Übergewicht, falsche Ernährung, hormonelle Störungen (bes. Frauen in den Wechseljahren, Schwangere) und einige Allgemeinerkrankungen wie diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), zu hoher Blutdruck und Immunschwäche.
- Mangelnde Mundhygiene (oft im Zusammenhang mit alten Füllungen oder/uhnd überstehenden Kronenrändern, die schwer zu säubernde Nischen verursachen).
- Funktionsstörungen des Kausystems (z.B. nächtliches Knirschen, Pressen)
- Da die Parodontitis eine Infektionskrankheit ist, stellt ein erkrankter Partner ein hohes Risiko da, die schädlichen Bakterien zu übertragen. Deswegen ist gegebenenfalls eine Behandlung beider Partner notwendig.
Folgen
In der Mundhöhle:
Knochenabbau - Zahnverlust
Bleibt eine Parodontitis unbehandelt, kommt es letztendlich zum Zahnverlust. Aggressive Bakterien greifen den gesamten Zahnhalteapparat an und schädigen ihn. Das Zahnfleisch verliert seine Festigkeit, die Zahnwurzel wird irreparabel beschädigt und auch der Kieferknochen abgebaut. Dieser Prozess verläuft schmerzlos und macht sich unbehandelt oft erst durch den Halteverlust der Zähne bemerkbar. Es kommt zu Zahnlockerungen und Zahnverlust.
Auswirkungen auf den gesamten Organismus:
Da die zunächst im Mund befindlichen Bakterien über das entzündlich veränderte Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen, beeinflussen sie auf diesem weg die Gesundheit des gesamten Körpers. Wissenschaftliche Studien belegen den Zusammenhang der unbehandelten Parodontitis mit folgenden Allgemeinerkrankungen:
- Schlaganfall: 4-fach erhöhtes Risiko
- Herz- und Gefäßerkrankungen
- Diabetes mellitus
- Rheuma
- Frühgeburtenrisiko: 7-fach erhöht
Symptome
Die Parodontitis bleibt oft Betroffenen unbemerkt, weil sie schmerzfrei verläuft. Warnsignale wie Zahnfleischblutren werden unterschätzt. Aus einer unbehandelten Zahnfleischentzündung (Gingvitis) kann sich jedoch schnell eine Parodontitis entwickeln.
Typische Warnsignale:
- gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
- erhöhte Empfindlichkeit des Zahnfleisches
- Blutungsneigung des Zahnfleisches
- Mundgeruch trotz regelmäßiger Mundhygiene
- schlechter Geschmack
- zurückweichendes Zahnfleisch
- frei liegende Zahnhälse
- sehr kälte- und wärmeempfindliche Zähne
- Zahnzwischenräume vergrößern sich
- Zähne verändern ihre Stellung oder wackeln
Diagnostik
Eine genaue Untersuchung jedes einzelnen Zahnes und seiner Zahnfleischtaschen gibt dem Zahnarzt eine ersten Überblick darüber, welche Zähne wie stark von den entzündlichen Vorgängen betroffen sind.
Mit Hilfe einer kleinen Messsonde werden die Tiefen der Zahnfleischtaschen gemessen und der Blutindex ermittelt. Brücken, Kronen, Kariesbefall werden erfasst, sowie Zahnfleischbluten und vorhergegangene kieferorthopädische Behandlungen.
Erkrankungen, an denen der Patient leidet oder in Vergangenheit gelitten hat, regelmäßig eingenommene Medikamente, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten (z.B. Rauchen) und mögliche Stressfaktoren werden in die Beurteilung aufgenommen.
Röntgenaufnahmen werden herangezogen, die alle Zähne, Kieferknochen, Gelenke und die umgebenden Strukturen zeigen.
Information der Bundeszahnärztekammer zum Thema "Bakterientest / Mikrobiologische Diagnostik"
Behandlung
Hygienephase:
Nach einer sorgfältigen Diagnostik erfolgt die professionelle Zahnreinigung (PZR), bei der die oberhalb des Zahnfleischrandes gelegenen harten und weichen Beläge entfernt werden.
Füllungen und Wurzelfüllungen müssen gegebenenfalls gelegt bzw. erneuert werden, um den Bakterienherd weitestgehend zu eliminieren. Spezielle Spüllösungen können zusätzlich das Bakterienwachstum eindämmen.
Außerdem wird der Patient an eine optimale Zahnpflege herangeführt und ihm wird eine Reduktion von Risikofaktoren wie Rauchen, Stress und die Umstellung von falschen Essgewohnheiten nahegelegt. So schützt eine konsequente Therapie auch das Herz und die Gefäße und stärkt das allgemeine Immunsystem.
Geschlossene Behandlungsphase:
Mit Ultraschall und Handinstrumenten wird unter örtlicher Betäubung eine Tiefenreinigung der Zahnfleischtaschen durchgeführt. Zähne und Zahnwurzeloberfläche werden unterhalb des Zahnfleischrandes gesäubert und geglättet, damit Bakterien nicht mehr so leicht anhaften können. Ergänzend ermöglicht eine Laserbehandlung eine schonende, schmerzarme und zuverlässige Keimreduktion. Die Bakterien werden zerstört und der Heilungsprozess durch die Anregung körpereigener Abwehrkräfte stimuliert.
Offene Behandlungsphase:
Bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen (> 6mm), die durch Hygienemaßnahmen und die geschlossene Behandlung nicht ausreichend zurückgegangen sind, kann es notwendig sein, diese Bereiche chirurgisch zu öffnen und erneut unter Sicht zu säubern und gegebenenfalls mit Knochenersatzmaterialien aufzufüllen oder mit Membranen abzudecken.
Bei besonders aggressiven, schnell verlaufenden Formen der Parodontitis ist es sinnvoll die Behandlung durch Anwendung von Antibiotika zu ergänzen. Eine vorherige Keimbestimmung ermöglicht dabei eine zielgerichtete Behandlung.
Erhaltungsphase:
Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt, die professionelle Zahnreinigung, aber auch die Mitarbeit des Patienten (die häusliche Mundpflege, die Lebens- und Essgewohnheiten usw. betreffend) unerlässlich.
Damit der Therapieerfolg dauerhaft erhalten bleibt.